Buchrezension »Frieden ist machbar!«.

Erschienen Juni 2010 im Blog www.mediation-berlin-blog.de

Schon mal was von PeaceJam gehört?

PeaceJam will ermöglichen, dass sich eine neue Generation von jungen Menschen für einen Wandel in ihnen selbst, in ihren Gemeinschaften und in der Welt einsetzt. Inspiriert werden soll bzw. wird dieser Wandel von Friedensnobelpreisträgern.

13 Friedensnobelpreisträger haben sich bisher für dieses Projekt engagiert: Desmond Tutu, Jody Williams, Der Dalai Lama, Shirin Ebadi, Adolfo Pérez Esquivel, Rigoberta Menchú Tum, Oscar Arias, Máiread Corrigan Maguire, José Ramos-Horta, Aung San Suu Kyi, Betty Williams, Wangari Maathai und Sir Joseph Rotblat (2005 verstorben).

Jetzt ist das 2006 erschienene Buch zum Projekt „We Speak as One“ endlich als deutschsprachiges Buch im Concadora Verlag erschienen. Das zum Projekt PeaceJam verfasste Buch stammt von von Arthur Zajonc (amerikanischer Physikprofessor und Spezialist für Quantenoptik) und hat den wunderbaren Titel „Frieden ist machbar!“

13 FriedensnobelpreisträgerInnen werden im Buch mit ihrem Anliegen vorgestellt. Unter harten Bedingungen und Opfern haben sie sich für die Vision einer friedfertigen Welt und für Freiheit, Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und Solidarität eingesetzt. In einem knappen und dennoch berührenden Text erfährt man das Wesentlichste über jeden dieser „Friedenskämpfer“.

Stellvertretend für alle anderen Friedensnobelpreisträger möchte ich Aung San Suu Kyi vorstellen. Sie ist die Tochter des Revolutionsführers und Generals Aung San, der die Unabhängigkeit seines Landes Burma von Großbritannien erkämpfte, bevor er von den Militärs ermordet wurde. Suu fühlte bereits früh, dass ihr Land sie brauchte und sie schrieb bereits vor der Heirat an ihren zukünftigen Mann Michael Aris: „Alles, was ich verlange, ist, dass du mir hilfst, meine Pflicht zu erfüllen, wenn meine Landsleute mich rufen.“ Und tatsächlich errang 1990 bei demokratischen Wahlen in Burma die Nationale Liga für Demokratie (NLD) einen Erdrutschsieg. Aung San Suu Kyi war Vorsitzende der NLD. Die burmesische Militär-Junta erkannte jedoch den Sieg nicht an und inhaftierte die äußerlich zart wirkende Frau über zehn Jahre lang in ihrem eigenen Haus. Sie war eigentlich die neue Ministerpräsidentin Burmas. Dennoch wurde sie von der Außenwelt abgeschnitten und von ihren beiden Söhnen Alexander und Kim sowie ihrem Mann Michael Aris ferngehalten. 1999 starb ihr Mann in England an Krebs, während Aung San Suu Kyi in ihrem Haus in Burma festsaß. Daw Suu (Lady Suu), so wurde sie zu damaliger Zeit in Burma genannt, und „Eiserner Schmetterling“, so war ihr Spitzname. Aber auch wenn sie physisch abgetreten war von der politischen Bühne, so blieb sie in den Köpfen und Herzen ihrer Landleute stets präsent. Stets verband sie die politischen und materiellen Dimensionen revolutionärer Bewegungen mit einer spirituellen Dimension, buddhistisches Studium und Meditation wurden zu einem festen Bestandteil ihres Tagesablaufes während der Gefangenschaft. Im Interview mit PeaceJam wagte sie 1995 eine Erklärung für den schlechten Umgang der Menschen miteinander:

„Es mag daran liegen, dass sich die Menschen ihrer Moral nicht bewusst sind. Es gibt da eine bedeutende Stelle in dem berühmten altindischen Epos Mahabharata, die besagt, es sei doch erstaunlich, dass die meisten Menschen so handeln, als müssten sie niemals sterben – wo wir doch immer und überall vom Tod umgeben sind. Die meisten Menschen benehmen sich gerade so, als ob sie tun und lassen könnten, was sie wollten. Sie glauben, sie kämen mit allem ungeschoren davon und denken nicht an die Konsequenzen ihres Handelns. Da ist durchaus etwas Wahres dran.“ (S. 73 f.)

Die Geschichte von PeaceJam startete im Sommer 1994: Ivan Suvanjieff, amerikanischer Künstler und Musiker, hatte in dem Sommer Kontakt mit Mitgliedern einer Latino-Gang in Denver. Ihn faszinierte ungemein, dass diese jungen Menschen aus ärmlichen Verhältnissen, die harte Gewalt gewöhnt waren, ganz genau über Erzbischof Desmond Tutu Bescheid wussten und dessen Bemühungen um eine gewaltfreie Gesellschaft gut kannten. Suvanjieff entwickelte die Idee, Nobelpreisträger für die Arbeit mit Jugendlichen zu gewinnen, um diesen ein Gefühl für ein sinnorientiertes Leben und für Integrität in der Welt zu geben. Suvanjieff gewann Dawn Engle (Politikerin und Mitbegründerin der Colorado Friends of Tibet) als Partnerin für das Projekt und beide starteten im März 1996 mit dem ersten PeaceJam-Treffen.

Seit der Zeit haben über 150 PeaceJam-Treffen mit über 600.000 jugendlichen Teilnehmern stattgefunden, in Colorado, Costa Rica, Südafrika, Mexiko, Indien, Guatemala, Argentinien, Kenia und England.

Das Buch „Frieden ist machbar!“ sowie der zugehörige Film eignen sich hervorragend für die Arbeit in Schulen (z. B. den Ethikunterricht) und Universitäten (z.B. den Pädagogikfachbereich), und natürlich passt es auch wunderbar in Trainings zum Konfliktmanagement und zur Mediation! Aung San Suu Kyi hat in ihrem Land unglaubliche Zivilcourage bewiesen und sie gab den Jugendlichen bei den von ihr mitgestalteten PeaceJam-Treffen folgenden Rat:

„Stellt euch vor, ihr seid alt. Wie würdet ihr dann sein? Wenn ihr dann versucht, euer Leben aus Sicht eines alten Menschen rückwärts zu denken, dann werdet ihr eure heutigen Möglichkeiten besser zu schätzen wissen. Ihr werdet auch toleranter gegenüber alten Menschen sein, die euch jetzt engstirnig und beschränkt vorkommen mögen. Also denkt euer Leben rückwärts! Stellt euch euer eigenes Alter vor und versucht rückwärts zu leben, vom Alter bis zur Kindheit – wie der Zauberer Merlin es tun hätte sollen.“ (S. 74)

Grundlagen der Mediation
Frieden ist machbar!

Buch und Film sind aus „PeaceJam“-Konferenzen in vielen Ländern der Welt entstanden, in denen TrägerInnen des Friedensnobelpreises mit Jugendlichen Gespräche führten über Ursachen und Hintergründe von Gewalt, Terror und Krieg und über wirksame Alternativen zur Gewalt.