Besprechung »Frieden ist machbar«

…aus »Das Goetheanum« Ausgabe Nr. 13-10

Glaubwürdige Vorbilder
Arthur Zajonc: Frieden ist machbar! Dreizehn Friedensnobelpreisträger und -trägerinnen zeigen auf, wie Veränderungen hier und jetzt bewirkt werden (können). Am Anfang von Peacejam (einem Bildungsprogramm, das eine neue Generation von Peacemakers inspirieren will) stand das Ziel, «Nobelpreisträger für die Arbeit mit Jugendlichen zu gewinnen, sodass diese ein Gefühl für ein sinnorientiertes Leben und für Integrität in der Welt bekommen können». Durch die Begegnung der beiden Gründer, Dawn Gifford Engle und Ivan Suvanjieff, mit Arthur Zajonc konnte das erste Treffen mit einer Friedensnobelpreisträgerin im März 1996 stattfinden. Denn Zajonc war damals für die Programmgestaltung des Fetzer-Instituts verantwortlich und die Fetzer-Stiftung hat die Anfangszeit von Peacejam finanziell und ideell unterstützt. Seitdem hat es mehr als 150 Treffen mit über 600000 Jugendlichen an ausgewählten Orten auf der ganzen Welt gegeben. Jedes Mal wirkten eine oder mehrere Friedensnobelpreisträger mit.
Übereinstimmung
Im ersten Teil des Buches porträtiert Zajonc die 13 Friedensnobelpreisträger (Dalai Lama, Erzbischof Desmond Tutu, Rigoberta Menchú Tum, Oscar Arias, Adolfo Pérez Esquivel, Máiread CorriganMaguire, Betty Williams, José Ramos Horta, Bishop Carlos Ximenes Belo, Aung San Suu Kyi, Jody Williams, Shirin Ebadi,Wangari Maathai und der inzwischen verstorbene Joseph Rotblat). Ihre Anliegen, Kämpfe, Rückschläge und Träume kommen ebenso zur Sprache wie die Lebenssituationen und Tätigkeiten, die mit dem Nobelpreis honoriert wurden. «Ist jeder Preisträger für sich genommen schon ein Gigant, so erleben wir selten so viele Friedensnobelpreisträger in einem intensiven Austausch miteinander.» So war es ein besonderes Treffen, das zur Feier des zehnjährigen Bestehens von Peacejam im September 2006 in Denver Colorado stattfand. Nahezu alle Peacejam-Friedensnobelpreisträger kamen mit 3000 Jugendlichen zusammen und legten die Leitlinien für die künftige Arbeit fest. In der Vorbereitung für dieses Treffen reisten Engle und Suvanjieff um die Welt und drehten den Interviewfilm‹We speak as one›, der dem Buch als englischsprachige DVD beigelegt ist. Der zweite Teil des Buches präsentiert ein imaginäres Salongespräch, das Arthur Zajonc mit sehr viel Einfühlungsvermögen, Takt und exakter Fantasie mit den Originalaussagen der Interviews gestaltet hat. Dieses imaginäre Gespräch entwickelt eine unglaubliche Kraft; denn hier sprechen Menschen, die im Feuer gestanden haben und noch stehen.
Beim Lesen steigert sich die Erkenntnis, dass trotz der so unterschiedlichen Erfahrungsgrundlagen und religiösen Hintergründe die Grundaussagen zur ethischen Haltung des Menschen und Perspektiven für die Zukunft übereinstimmen. Nur um ein Beispiel herauszugreifen: Die Iranerin Shirin Ebadi weist mit erschütternder Klarheit auf die Hintergründe des Terrorismus hin: «Eine weitere Ursache für Terrorismus ist Unrecht. Wenn ganze Völker ungerecht behandelt werden, ohne die geringste Aussicht auf Besserung, und wenn diese Völker über mehrere Generationen hinweg unter der Armutsgrenze leben müssen, dann werden sie den Verstand verlieren und in der Gewalt den einzigen Ausweg aus ihrer Hoffnungslosigkeit suchen. Befassen wir uns also mit den wirklichen Ursachen des Terrorismus. Die Bestrafung von Terroristen [mit politischer und militärischer Gewalt, RT] wird das Problem nicht lösen.»
Harte Arbeit
Auf der anderen Seite liegt der praktische Wert des Buches darin, dass aufgezeigt wird, was verlangt wird. Denn: Friedensarbeit bedeutet harte Arbeit. Es kommen Menschen zu Wort, die sich einsetzen, ohne an sich zu denken; Menschen, die nicht zögern, «den Mächtigen die Meinung zu sagen»; Menschen, die überzeugt sind, dass nur «Taten verändern».
Sie haben somit wichtige Herausforderungen zu bewältigen: Jeder der Friedensnobelpreisträger und -trägerinnen hat nicht nur gegen das Unrecht gekämpft, sondern musste sich auch gegen die Haltung wehren, die mit kaltem Zynismus beweisen wollte, dass die ganzen Bemühungen von Vornherein zum Scheitern verurteilt seien. Die Aussagen lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Der Glaube an sich und an das Ziel stärkt das Rückgrat und gibt die Kraft, den Weg zu gehen. Man wächst an der Herausforderung.
Innere Kraftquellen
Die persönlichen inneren Kraftquellen, aus denen die Friedensnobelpreisträger und -trägerinnen schöpfen, kommen ebenso ins Gespräch, wie sie sich getragen erleben durch die Weisheit und Religion des Volkes, in dem sie aufgewachsen sind. In der ethischen Grundhaltung finden sie den Zusammenklang: «We speak as one.» So wird jedem, der sich für Frieden einsetzen möchte, und vor allem der Jugend das Wertvollste durch glaubwürdige Vorbilder vermittelt. Keine Theorien, keine Abhandlungen, sondern es werden Wege gezeigt, die Menschen gegangen sind, es werden Erfahrungen mitgeteilt, die gemacht worden sind. So entstehen konkrete Perspektiven bezüglich des Friedens, die Frieden machbar machen.

Ronald Templeton

Grundlagen der Mediation
Frieden ist machbar!

Buch und Film sind aus „PeaceJam“-Konferenzen in vielen Ländern der Welt entstanden, in denen TrägerInnen des Friedensnobelpreises mit Jugendlichen Gespräche führten über Ursachen und Hintergründe von Gewalt, Terror und Krieg und über wirksame Alternativen zur Gewalt.