Wirtschaftsmediation. Ein Leitfaden zur Konfliktlösung in Unternehmen und Organisationen

19,95 

Buch flexibler Einband, Kartoniert, 168 Seiten
3. reichhaltig illustriert mit Grafiken und Tabellen,
ISBN: 978-3-934391-42-0

innerhalb von 2-3 Tagen lieferbar

Kategorie:

Beschreibung

Ein Leitfaden zur Konfliktlösung in Unternehmen und Organisationen

Autoren: Cristina Lenz und Andreas Müller

Konflikte: In Unternehmen bedeuten sie in der Regel Stress, Ärger, Kosten, Ausfallzeiten und verminderte Effizienz. Doch Konflikte gehören zum zwischenmenschlichen Zusammenleben, und es gibt eine Möglichkeit, sie so zu lösen, dass alle Beteiligten davon profitieren – die Mediation. Dieses Buch ist Akteuren in Unternehmen, Organisationen oder Behörden ein hilfreicher Leitfaden, Konflikte frühzeitig zu erkennen und auf eine neuartige Weise zu bearbeiten. Die Autoren bringen dem Leser das Management by Mediation anhand eines exemplarischen Streitfalls nahe. Am Beispiel der Exempla GmbH wird der Leser Schritt für Schritt auf anschauliche Weise in das weitläufige Gebiet der Wirtschaftsmediation eingeführt. Die Wirtschaftsmediation greift nicht nur bei innerbetrieblichen Konflikten, sondern auch bei Streitfällen zwischen verschiedenen Unternehmen und Organisationen. Ziel ist die Rückführung der zerstrittenen Konfliktpartner auf eine Kommunikationsebene, auf der sie gemeinsam nach einer zukunftsorientierten Lösung suchen. Dabei wandeln sie sich von Gegnern zu Partnern und erreichen in kurzer Zeit eine tragfähige Lösung. Das kurzweilige und ansprechende Buch wendet sich an Unternehmer, Personalberater, Personalabteilungen, Consultants, Supervisoren, Trainer, Anwälte – allesamt Akteure und Betroffene im Management von Konflikten innerhalb und außerhalb der Wirtschaftsunternehmen.

Inhalt:

0 – Vorwort

1 – Vom Gerichtsverfahren zur Mediation

1. Die Exempla GmbH vor Gericht

2. Exempla und Latona in der Wirtschaftsmediation

3. Zusammenfassung

2 – Konfliktmanagement mit Mediation

1. Konflikte schaden dem Unternehmen

2. Konfliktmanagement-Methoden

3 – Erfolgsfaktoren und Konzept der Mediation

1. Vorteile der Wirtschaftsmediation

2. Mediation als Innovation

3. Erfolgbestimmende Faktoren eines Mediationsverfahrens

4. Phasen eines Wirtschaftsmediationsverfahrens

5. Lösungen mittels der Wirtschaftsmediation

6. Zusammenfassung

4 – Integration der Mediation

1. Fitness

2. Umgang mit Konflikten

3. Kooperative Gesprächsführung

4. Typische Vorbehalte bezüglich der Mediation

5. Darstellung des Status Quo

6. Änderung der Streitkultur im Unternehmen

7. Musterklauseln und Musterverträge zur Mediation

8. Fazit für die Exempla GmbH

9. Evaluierung nach der Einführung

10. Zusammenfassung

5 – Mediationscheckliste

1. Checkliste für Business-to-Business Mediation

2. Checkliste für Inhouse Mediation

3. Vorbereitung als Team: Berater und Mandant

bzw. Rechtsabteilung und Unternehmen

4. Zeitpunkt und mögliche Fallstricke und

Hindernisse in der Mediation

5. Zusammenfassung

6 – Schlüsselfunktion des Mediators

1. Anforderungen an einen Mediator

2. Der Mediator als Kommunikator

3. Erforderliche psychologische Kenntnisse

4. Nach welchen Kriterien sollte

man den Mediator auswählen?

7 – Nachwort

8 – Anhang

1. Konfliktbezogener Persönlichkeitstest

frei nach Xicom

2. Literaturliste

3. Glossar

4. Abkürzungsliste

5. Hinweise und Adressen

Leseprobe:

Vom Gerichtsverfahren zur Mediation

Wenn wir die Vergangenheit und die Gegenwart miteinander streiten lassen, werden wir die Zukunft verlieren. (Winston Churchill)

1. Die Exempla GmbH vor Gericht

Rolf Neufeld, Geschäftsführer der Exempla GmbH, sitzt seit einer halben Stunde in einem Sitzungssaal im Münchner Justizpalast. Er ist leicht verunsichert und blickt sich ratsuchend um. Die kahlen Wände des hohen Raums hinterlassen bei ihm einen Eindruck der Distanz und Kühle, und er fragt sich zum wiederholten Male, durch welche Umstände er an diesem Tag hierher kommen musste.

Beinahe wehmütig schaut er aus dem Fenster auf den Neptunbrunnen, in dessen Wasserfontänen sich die Strahlen der nachmittäglichen Sonne brechen. Vor seinen Augen verschwimmen die leuchtenden Strahlen, verändern sich Raum und Zeit und er sieht sich in seinem Büro wieder.

Es ist der Sommer des vergangenen Jahres. Sein Unternehmen läuft hervor-ragend, die Auftragsbücher sind gefüllt, die prog-nostizierte Halbjahresbilanz ist ausgezeichnet: Rolf Neufeld kann sehr zufrieden sein. Völlig überaschend flattert ihm eine Klageschrift der Latona GmbH ins Haus, zu der seit Jahren sehr gute geschäftliche Bindungen bestehen.

Zugegeben, in den letzten Besprechungen kamen von der Latona GmbH zunehmend Problemdarstellungen und Äußerungen der Unzufriedenheit, die jedoch aus der Sicht von Rolf Neufeld allesamt völlig überzogen waren. Aber eine offizielle Klage? Der Geschäftsführer der Exempla GmbH ist sichtlich irritiert und vertieft sich in das Schreiben.

Klageschrift

In der Klageschrift wird der Exempla GmbH vorgeworfen, vertragliche Lieferverpflichtungen nicht erfüllt zu haben. Die Exempla GmbH hätte bei den ersten Versäum-nissen versucht, diese zu vertuschen. Erst durch massiver werdende Beschwerden seitens der Latona GmbH hätte sie sich bereit erklärt, die Fehlmengen aufzufangen und adäquat zu kompensieren. Nachdem dies mit dem ihr zur Verfügung stehenden Personal nicht mehr durch-führ-bar geworden war, die zugesagten Mengen wieder nicht geliefert wurden und obendrein noch Qualitätsmängel dazu kamen, kündigte die Latona GmbH nach Fristsetzung mit Ablehnungsandrohung die Vertragserfüllung. Die Unzuverlässigkeit und die damit bei den Kunden der Latona GmbH verursachten Folgeschwierigkeiten entzögen einer weiteren Geschäfts-beziehung jegliche Grundlage. Die Kosten würden ins Unermessliche steigen, wobei die Qualität bisher unbekannte Tiefststände erreiche. Um den Schaden zu begrenzen, sehe die Latona GmbH keinen anderen Weg als den der Klage. Die Exempla GmbH wird zur Zahlung einer Teilsumme von  70.000,- Euro verklagt, um den der Latona GmbH entstandenen Schaden zu kompensieren und sie für den entgangenen Gewinn zu entschädigen. Dem Schriftsatz ist zu entnehmen, dass sich der gesamte verursachte Schaden auf eine halbe Million Euro belaufe.

Rolf Neufeld ist außer sich. Die Latona GmbH war sein bester Kunde und Haupt-abnehmer eines nicht unbeträchtlichen Teils der Produktpalette. Neu-entwick-lungen auf diesem Sektor stand sie immer aufgeschlossen gegenüber und brachte gemeinsam mit der Exempla GmbH etliche Inno-vationen zur Serien-reife. Die geschäftlichen Beziehungen waren über lange Jahre gereift und mit ihrem Geschäftsführer Gerd Hagemeier verband ihn ein geradezu freundschaftliches Verhältnis. Und jetzt das. Aus scheinbar heiterem Himmel wird eine Klageschrift versandt. Sein erster Gedanke ist der einer sofortigen Gegenattacke, denn eine Klage will er nicht auf sich und seiner Firma sitzen lassen. Er nimmt umgehend Kontakt zu seinem Rechtsanwalt Thomas Melzer auf. Dieser ist als langjähriger Rechtsbeistand und Vertrauter der Firma verärgert über die Unver-frorenheit der Klage. Vorherige Verhandlungen und eine angemessene Form der Darlegung der bestehenden Probleme wären ihm lieber gewesen. Nachdem jedoch die Klage bereits einge-reicht und damit rechts-hängig ist, sieht er als Verteidi-gungs–möglichkeit nur die fristgerechte Einreichung einer Klage-erwiderung. Zum jetzigen Zeitpunkt noch eine gütliche, außer-gerichtliche Besprechung durchführen zu wollen, scheint ihm nicht möglich, denn das hätte aus seiner Sicht demonstriert, dass die Exempla GmbH sich ihrer Rechtsposition nicht sicher sei.

Vorbereitung der Klageerwiderung

Rolf Neufeld stimmt zu und beginnt, sich innerlich auf einen aufwändigen Gerichtsprozess einzustellen. Er sieht lange Beweisaufnahmever-fahren, Zeugen-aussagen, Ver-hand-lungen und am Ende eines mehrere Jahre dauernden Verfahrens einen Richter-spruch vor sich. Dabei denkt er an die Kosten, die Arbeit und den Imageverlust. Da die Anschuldigungen seiner Meinung nach gänzlich unberechtigt sind, verdrängt er die Möglichkeit eines Unterliegens bei Gericht. Sein Rechts-anwalt bestärkt ihn darin und fängt an, Beweise gegen die Richtigkeit der Aussagen in der Klage zu finden. In Neufelds Kopf kreist immer wieder der Gedanke, ob man nicht in Ruhe darüber hätte reden können. Nun sind aus Geschäftspartnern Gegner im Rechts-streit geworden. Jedes Nach-geben könnte als Zeichen von Schwäche gedeutet werden. Obwohl RA Melzer von seiner Rechtsposition überzeugt ist, kennt er die alther-ge-brachte Weisheit: „Vor Gericht und auf hoher See sind wir in Gottes Hand“.

Selbst wenn er aus wirtschaftlichen Gründen zu einem Einlenken raten würde, muss er seinem Mandanten Zuver-sicht geben, dass der Prozess zu gewinnen sei. Damit ist er gezwungen sich detail-orientiert in die Vergangenheit zu vertiefen.

Die nächste Zeit ist angefüllt mit zahllosen Besprechungen des Krisen-teams, mit Terminen bei Anwalt Melzer und mit Mitarbeitern der Firma. Eine Vielzahl von direkt oder indirekt Betroffenen wird einge-schaltet, um so viele Informationen und stichhaltige Argumente für die Gerichtsverhandlung zu sammeln wie möglich. Obwohl die Zeit durch das gestiegene Arbeitspensum rasch verstreicht, kann sich Rolf Neufeld seiner Gedanken zu den Anschuldigungen, die ihn persönlich treffen, nicht erwehren. So richtig abschalten kann er während dieser Monate gar nicht, die Belastung nimmt zu.

Bereits drei Wochen nach der Klageerwiderung erhält er die Replik der Latona GmbH. In dieser schriftlichen Stellungnahme auf die Klage-erwiderung des Beklagten in einem Zivilprozess bringt die Latona GmbH neuerliche Tatsachen und Darstellungen vor, die die Argumente der Klageerwiderung entkräften sollen.

Dies bewirkt beim Krisenteam der Exempla GmbH eine Eskalation. Die nun geführten Diskussionen um den Fortgang der Beweis-sammlung kulminieren in einer ‘Jetzt erst recht’-Haltung. Flugs ist eine Duplik als Entgegnung der Replik verfasst und an das Landgericht gesandt. „Sollen sie nur kommen, die von der Latona GmbH! So leicht gibt sich die Exempla GmbH nicht geschlagen!“

Zusätzliche Information

ISBN

978-3-934391-42-0

Paperback

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