Gute Beratung. Zwischen Hybris und Bescheidenheit

Dr. Harald Pühl
Paperback
ISBN 978-3-934391-61-1
€ 19,80
inkl. 7% MwSt.
zzgl. Versandkosten
innerhalb von 2-3 Tagen lieferbar
Broschüre, 160 S.

Dem Herausgeber Helmut Hallier ist das Kunststück gelungen, erfahrene Beraterkolleginnen und -kollegen zu ermutigen, über ihre teils sehr persönlichen Erfahrungen zu berichten.

Dabei wird deutlich, dass nicht allein der richtige Handwerkskoffer oder eine Methode darüber entscheiden, was eine gute Beratung kennzeichnet, sondern Qualitäten wie das Wissen des Beraters über sich, sein Einfühlungsvermögen in den Kunden, in die Beratungssituation und seine Fähigkeit, Spannungen und Unsicherheiten auszutarieren. Wir erfahren, welche Beratertypen es gibt: den Klempner-, Söldner-, Jet-Set-, Eulenspiegel- oder Erwecker-Typ und was ihre Stärken und Schwächen sind. Und wir nehmen teil an einem „Sokratischen Gespräch“ über gute Beratung. Wir sind dabei, wenn heikle Themen wie der Umgang mit Erfolg, Misserfolg und Kränkungen oder der Spannungsbogen zwischen Bescheidenheit und Narzissmus ausgelotet werden. Wir begleiten einen Berater zu den Quellen seiner Inspiration und erfahren, wie Achtsamkeit die Beratungsprozesse transformiert und bereichert. Der Leser ist eingeladen, einen Blick in den Winkel der Beraterwerkstatt zu werfen, in dem es eher nachdenklich zugeht und der in anderen Fachbüchern meist ausgespart wird. Die ungewöhnlichen Perspektiven der Beiträge über „gute Beratung“ machen diesen Band zu einem Lesebuch im besten Sinne.

 

Inhalt:

Vorwort des Herausgebers

 

Christoph Hohmann und Helmut Hallier:

Ein Dialog zwischen zwei Welten – zwischen

“klassischem” Unternehmensberater und Supervisor

Helmut Hallier

Achtsamkeit in der Beratung

Eva Bilhuber Galli

Auf der Suche nach einer

Managementberater-Identität

Thomas B. Mayer

Gute Beratung im Spannungsfeld aus

Bescheidenheit und Narzissmus

Olaf Georg Klein

Was ist ein gutes Coaching und was ein guter Coach?

Ein Blick hinter die Kulissen

Harald Pühl

Über das Verhältnis von Scheitern und Gelingen

Helmut Hallier

Beratung als Lernprozess

Christoph Hohmann

Integrität – kritischer Faktor

in der Managementberatung

Stefan Daniel

Inspiration in der Beratung –

eine (Selbst)Offenbarung

Katrin Thorun-Brennan

Passung – ein Balanceakt

im Verlauf von Beratung

Michael Niehaus und Roger Wisniewski (Gesprächsleiter)

Was ist das eigentlich: “gute” Beratung?

Ein Sokratisches Gespräch

 

 

Leseprobe:

Eva Bilhuber Galli

Auf der Suche nach einer Managementberater-Identität

Einleitende Gedanken – oder: Die Rolle der Motivation in der Managementberatung

“Was machst du eigentlich jetzt genau?”. Diese Frage wird mir regelmäßig mit gespielter Begriffsstutzigkeit von meinem Vater gestellt. Obwohl ich stark annehme, dass es sich dabei ganz offensichtlich nur um eine Verschleierungstaktik seiner grundlegenden Skepsis gegenüber meiner Berufsgattung handelt, ruft diese Frage bei mir jedes Mal wieder ein Gefühl von Ertappt-Werden hervor – ähnlich wie früher in der Schule, wenn einem auf eine scheinbar einfache Frage keine Antwort einfiel. Und so krame ich jedes Mal wieder erneut alle Schubladen in meinem Kopf durch, auf der Suche nach einer prägnanten und allgemeingültigen Antwort, die auf einfache Weise ausdrückt, was Managementberater tun. Meistens finde ich nichts – und wünsche mir, ich hätte einen Beruf, bei dem jeder gleich wüsste, um was es geht, so wie z.B. Arzt, Lehrer, Anwalt oder Pfarrer.

Managementberater gehören hingegen zu einer Berufsgattung, die immer eine Fußnote braucht. Das überrascht insofern nicht, da die Berufsbezeichnung – freundlich ausgedrückt – äußerst dehnbar verwendet wird. Bis dato gibt es keine standardisierte Ausbildung zum Beruf “Managementberater”, weshalb man auch nach einheitlich qualifizierenden Kursen vergeblich sucht. Mit anderen Worten, jeder kann sich Managementberater nennen. So auch ich.

Böse Zungen mögen behaupten, dass dieser Umstand den fehlenden oder zumindest wenig greifbaren gesellschaftlichen Nutzen dieser Berufsgruppe widerspiegelt. Aber selbst wenn man (wie vermutlich mein Vater) mit diesem Argument im ersten Moment sympathisieren mag, bleibt offen, warum die Beratungsbranche trotzdem milliardenschwer ist und heute bei wichtigen wirtschaftlichen und auch politischen Entscheidungen im Hintergrund als Weichensteller oftmals weit mehr Einfluss auf unsere Geschicke ausübt, als die politischen oder wirtschaftlichen Protagonisten, die diese Entscheidungen dann verkünden. So mag die Erklärung nicht nur freundlicher, sondern auch treffender sein, dass der Beruf des Managementberaters – ähnlich wie der des Managers selbst – eine junge und disziplinübergreifende Tätigkeit ist, deren gesellschaftliche Verankerung ganz einfach noch aussteht. Bis dahin muss eben jeder, der sich als Managementberater bezeichnet, diese Erklärungslücke selbst schließen.

Das führt natürlich zu sehr vielfältigen Definitions- und Beratungsentwürfen und damit einhergehend zu sehr unterschiedlichen Antworten darauf, was erfolgreiche Managementberatung eigentlich ist. Der eine misst seinen Erfolg an der Anzahl der Aufträge, der andere an seiner Finanzlage oder an der Anzahl C-Level-Mandate, und wieder andere daran, ob sie eine neue Sicht einbringen und tatsächlich Veränderung anstoßen konnten. Es scheint, dass das, was Managementberater tun, im Angesicht einer nicht-einheitlichen Berufsbezeichnung stark mit der Person und vor allem mit deren Motivation verknüpft ist, d.h. mit der Frage, was den Einzelnen zu einer Beratertätigkeit antreibt und bewegt.

Erstaunlicherweise lässt sich allerdings bisher nicht viel finden zur Motivation von Managementberatern. Es gibt Unmengen zu lesen und zu hören über erfolgversprechende Beratungskompetenzen oder -methoden, aber kaum jemand stellt die Frage nach der geeigneten Motivation, nach der richtigen Haltung. Zählen tatsächlich nur die Kompetenzen und das Expertenwissen, und ist es für den Erfolg von Managementberatern völlig egal, was uns antreibt, diesen Beruf auszuüben?

Nein! – sage ich und werfe die These auf, dass es nach meiner Erfahrung v.a. unsere Motivation ist, die den größten Einfluss darauf hat, was wir unter erfolgreicher Managementberatung verstehen, welche Aufträge wir suchen, welche Methoden wir einsetzen, und wie wir den Erfolg definieren. In einem so weiten (Berufs-)Feld wie der Managementberatung wirkt unsere Motivation offensichtlich als Fokus in der Ausrichtung und damit aber gleichzeitig auch als unsere Begrenzung.

Insbesondere dann, wenn uns ihre tragende Rolle und ihre Wirkung auf das, was wir tun, nicht bewusst sind.

 

Deshalb widme ich die folgenden Zeilen diesem vernachlässigten Thema und versuche, die Motivationslandschaft von Managementberatern und ihre möglichen Auswirkungen auf das, was wir unter Managementberatung verstehen und tun, zu ergründen – sprich unsere Identität. Und dies selbstverständlich – ganz im Sinne eines Managementberaters – ohne jeglichen Anspruch auf einen umfassenden, schon gar nicht wissenschaftlich fundierten Diskurs. Vielmehr werfe ich diese Bilder zu unterschiedlichen Beratermotivationen und -typen mit einem gewissen Augenzwinkern und einer Prise Selbstironie in diesen Gedankenraum – gedacht als unterhaltsamer Denkanstoß.

Der Autor

Dr. Harald Pühl

Team-Supervision/-entwicklung und Organsationsberatung (u.a. Kliniken, Sucht, Psychiatrie, Verwaltung, Dienstleistung, Verbände, Kleinunternehmern) Coaching (Führungs- [...]

Weitere Publikationen zum Thema

Grundlagen der Mediation
Das Wolkenmädchen
Friedrich Glasl

Das Wolkenmädchen – eine Geschichte von Friedrich Glasl mit Illustrationen von Beth Waters erzählt von einem alltäglichen Konflikt, in welchen eine Familie gerät. Marie möchte [...]

Kommunikation
Das blockierte Unternehmen
Rainer von Gehlen

Kommunikationsstörungen produktiv nutzen – Wie manage ich andere und mich selbst?

Dieses Buch zeigt praxisnah, wie Kommunikationsstörungen in kleinen und großen Unternehmen zu Produktivitäts- und Motivationseinbußen führen, die die Firmen jährlich mehrere Milliarden…

Kommunikation
Eventkultur
Dr. Harald Pühl

Ereigniskonsum als Abwehrritual in der globalisierten Gesellschaft. Ob es um die Umwelt, die Psychohygiene oder die Struktur von Organisationen geht – überall beobachten wir, dass hektische Veränderungen dominieren und langfristige Pläne fehlen. Dabei könnten viele sonst nicht wieder gutzumachende Schäden durch Ausdauer und Geduld vermieden werden.

 

Grundlagen der Mediation
Die Macht der Emotionen

Luc Ciompi stellt seinen Ansatz der Affektlogik anhand von konkreten sozialen und politischen Konflikten vor. Friedrich Glasl wendet die Affektlogik auf die Dynamik der Konflikteskalation an. Arist von Schlippe beschreibt den Umgang mit Emotionen in der systemische Beratung.

 

Kommunikation
DVD-Komplett-Reihe »Kommunikation in der Praxis« (4 DVDs)
Friedemann Schulz von Thun

Alle 4 DVDs der DVD-Reihe erhalten Sie zum Sonderpreis von EUR 316,- (statt EUR 356,-). Die Sammelausgabe beinhaltet die DVDs »Quadratisch wird die Sache rund!«, »Dem Teufel auf die Schliche kommen!«, »Das Potential der Gegensätze« und »Gut aufgestellt!«

Kommunikation
Gewaltfreie Kommunikation in der Mediation

Erfahrene MediatorInnen beschreiben, wie sie die Haltungen und Methoden von Marshall Rosenbergs Gewaltfreier Kommunikation (GFK) in der Konfliktarbeit einsetzen. Auch Schwierigkeiten und offene Fragen kommen zu Wort.

Kommunikation
Gut aufgestellt!
Friedemann Schulz von Thun

Die DVD zum Inneren Team beinhaltet den Aufbau des Inneren Teams, das Konzept der Stimmigkeit und das Potential der inneren Pluralität sowie eine Vertiefung, wie der Moderator des Inneren Teams die ‚innere Ratsversammlung‘ leiten und in Spannungssituationen vermitteln kann, u. v. m

Kommunikation
Dem Teufel auf die Schliche kommen!
Friedemann Schulz von Thun

Zwischenmenschliche Teufelskreise: Die DVD beinhaltet die Grundlagen: Polarisierung, Interpunktion, Eskalation und Auswege, eine Vertiefung, wie persönliche Befindlichkeiten und alte Verletzungen den Teufelskreis befeuern und verschärfen, u. v. m.

Kommunikation
Quadratisch wird die Sache rund!
Friedemann Schulz von Thun

Die DVD zum Kommunikationsquadrat beinhaltet die vier Aspekte der Selbstkundgabe und vier Aspekte des Zuhörens sowie die Unterscheidung von Du-Botschaften und Beziehungsbotschaften und den Umgang mit Beziehungsangeboten, u. v. m.

 

Kommunikation
Das Potential der Gegensätze
Friedemann Schulz von Thun

Die DVD zum Werte- und Entwicklungsquadrat beinhaltet Grundlagen (Tugend, Schwestertugend, Untugend, Vorwurfsrichtung und Entwicklungsrichtung) und als Vertiefung, wie man konstruktives Feedback mit dem „Werte- und Entwicklungsquadrat“ geben kann, u. v. m.

Grundlagen der Mediation
Die Sprache des Körpers: Embodiment verstehen und nutzen
Gerald Hüther
Brigitte Sobiray-Hüther

Die DVD beinhaltet eine Einführung in den Workshop, einen Vortrag zum Thema Hirnentwicklung sowie Übungen dazu. Der Pantomime W. S. Bartussek demonstriert, wie sich über Veränderungen von Körperhaltungen Gefühle und geistige Haltungen verändern lassen.

Grundlagen der Mediation
Präsent sein: Empathie und Selbstempathie

Empathie fordert Präsenz. Sie ist nur möglich, wenn es gelingt, alle vorgefassten Meinungen und Urteile abzulegen. Der Film zeigt, wie diese Form der Präsenz als eine zentrale Haltung in der Mediation geübt werden kann.

Kommunikation
Bedürfnisse und Gefühle

Der Film zeigt Übungsmöglichkeiten für die differenzierte Wahrnehmung und Artikulation von Gefühlen, um so die Identifikation von Interessen und Bedürftnissen in der Mediation zu erleichtern. In der Gewaltfreien Kommunikation sind Gefühle die Brücken zu Bedürfnissen und Interessen. Was andere sagen oder tun, kann ein Auslöser für Gefühle sein, aber nicht ihre Ursache.